Planungsalgorithmus, mathem. Rätsel

Fragen zu mathematischen Problemen
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melmo
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Planungsalgorithmus, mathem. Rätsel

Beitrag von melmo » Do Jul 18, 2013 6:52 pm

Hallo proggen-interessierte,

gerade hatte ich eine Konversation mit dani93, die ich hier weiterführen möchte.
Sie lautete:


auf der Suche nach Algorithmen und bekannten mathematischen Problemen bin ich auf dein Rucksackproblem-Artikel gestoßen.
Vielen Dank! Dafür wollte ich dir danken, denn er war sehr aufschlussreich.
Ich bin Student in Ingenieurwissenschaften und dies ist keine Formalwissenschaft wie Mathematik oder Informatik, weshalb ich in diesen Dingen weniger gut geschult bin.

Ich habe ein Problem und dachte, vielleicht hast du einen Ansatz oder kennst eine Klasse von Problemen, zu denen dieses zählt (denn ich denke nicht, dass es ein Problem der kombinatorischen Optimierung ist).

Nun zum Rätsel:

Vier Personen stehen auf der einen Seite eines Tunnels. Sie wollen zur anderen Seite. Durch den Tunnel können, weil er so eng ist, maximal 2 Personen gleichzeitig gehen. Die Personen sind unterschiedlich schnell. Der Tunnel ist dunkel und es muss bei jedem Weg durch den Tunnel eine Taschenlampe mitgeführt werden. Es gibt nur eine Taschenlampe.

Hier die Zahlen:
benötigte Zeit:
A: 1 min.
B: 2 min.
C: 4 min.
D: 5 min.

Das Problem: Die Taschenlampe hat exakt für 12 min. Batterieladung. Wer muss mit wem wie gehen, damit alle drüben ankommen?
----------------------------------------------------------------------------
Eins vorweg: ich glaube, dass dieses mit diesen Personen und dieser Taschenlampenbatterieladung keine Lösung hat.

Scheint so eine Art "Planungsalgorithmus" zu sein.
Es stellen sich aber dann sofort mehrere weitere (unter-) Fragen.
a)Nennen Sie für eine beliebige Zusammenstellung von Personen und ihren Geschwindigkeiten eine Formel für das zu erreichende Optimum
b)Nennen Sie einen Algorithmus (Laufstrategie), mit der dieses Optimum immer erreicht wird
c)Beweisen Sie beides, also dass die Formel stimmt, und dass der Algorithmus das Optimum liefert


Schnell wird klar, dass es wohl immer "Hinreisen" mit zwei Personen und "Rückreisen" mit einer Person geben muss, (die Taschenlampe muss immer zurückgebracht werden zur "Startseite" des Tunnels), alles andere wäre kontraproduktiv (etwa das nur ein einzelner eine Hinreise antritt oder etwa, dass irgendeine Rückreise aus zwei Personen bestehen würde). Auch schnell klar ist, dass also dann die Gesamtzahl der Hinreisen gleich der Anzahl der Reisenden minus eins sein muss (jede Hinreise und anschließende Rückreise transportiert effektiv eine Person ans Ziel, ausser der letzten Hinreise, auf die keine Rückreise mehr folgt, welche effektiv zwei Personen ans Ziel bringt). Die Anzahl der Rückreisen beträgt Anzahl der Hinreisen minus eins, da also ein Schema vorliegt, dass Hin- und Rückreisen immer abwechselnd passieren müssen, wobei wir immer mit einer Hinreise beginnen und ebenfalls mit einer Hinreise enden.

Vielleicht liegt schon längst wissenschaftliche Erkenntnis für dieses Rätsel vor, man muss wahrscheinlich nur den korrekten Namen dieses Rätsels (oder dieser Klasse von Rätseln, denen diese Rätsel zuzuordnen ist) wissen bzw. finden. Folgende Stichpunkte fallen mir leider nur ein: "Optimierung", "Planungsalgorithmus" oder eventuell der Begriff "diskrete Mathematik".
Falls du derzeit keine Zeit hast - kein Problem!! Wollte es nur mal abschicken, vielleicht interessierts ja.
Vielleicht kennst du ein (anderes) Forum, wo man die Frage stellen sollte?
Gruß
melmo



Hier kommt dani93s Antwort:


Hallo melmo! :)
melmo hat geschrieben:Vier Personen stehen auf der einen Seite eines Tunnels. Sie wollen zur anderen Seite. Durch den Tunnel können, weil er so eng ist, maximal 2 Personen gleichzeitig gehen. Die Personen sind unterschiedlich schnell. Der Tunnel ist dunkel und es muss bei jedem Weg durch den Tunnel eine Taschenlampe mitgeführt werden. Es gibt nur eine Taschenlampe.

Wenn zwei Personen zusammen gehen, haben sie die Geschwindigkeit der langsameren Person, oder? Auf dem Rückweg hat dann der Taschenlampenträger einfach seine eigene Geschwindigkeit. Liege ich da richtig?
melmo hat geschrieben: Hier die Zahlen:
benötigte Zeit:
A: 1 min.
B: 2 min.
C: 4 min.
D: 5 min.

Das Problem: Die Taschenlampe hat exakt für 12 min. Batterieladung. Wer muss mit wem wie gehen, damit alle drüben ankommen?

Falls ich bei meiner obigen Annahme richtig liege, würde ich sagen es spielt einfach immer die schnellste Person den Lampen-Träger. Da ja jede Person mindestens ein mal durch den Tunnel muss, ist ihre Geschwindigkeit auf dem Hinweg ohnehin nicht optimierbar. Das einzige was man hier optimieren kann ist der Rückweg, wo man natürlich die schnellste Person wählen sollte. Die restliche Reihenfolge ist egal, am Ergebnis ändert sich nix ;)
melmo hat geschrieben:Eins vorweg: ich glaube, dass dieses mit diesen Personen und dieser Taschenlampenbatterieladung keine Lösung hat.

Sehe ich auch so.

1+2 gehen durch den Tunnel (+2 Minuten, insgesamt 2 Minuten)
1 geht zurück (+1 Minute, insgesamt 3 Minuten)
1+4 gehen durch den Tunnel (+4 Minuten, insgesamt 7 Minuten)
1 geht zurück (+1 Minute, insgesamt 8 Minuten)
1+5 gehen durch den Tunnel (+5 Minuten, insgesamt 13 Minuten)

Also liegt man hier im Optimalfall bei 13 Minuten. Schneller gehts einfach nicht.
melmo hat geschrieben: a)Nennen Sie für eine beliebige Zusammenstellung von Personen und ihren Geschwindigkeiten eine Formel für das zu erreichende Optimum

Formel:
t = Alle Zeiten zum Durchqueren des Tunnels
t' = Kürzeste Zeit zum Durchqueren des Tunnels
t \ t' = Alle Zeiten außer die kürzeste
n = Anzahl an Personen, n > 2
Gesamtsumme = (n-2) * t' + sum(t \ t')
n-2 hast du, weil beim ersten und letzten Durchgang jeweils nur in eine Richtung gegangen wird.
In deinem konkreten Beispiel:
t = {1, 2, 4, 5}
t' = 1
t \ t' = {2, 4, 5}
n = 4
Gesamtsumme = 2 * 1 + (2 + 4 + 5) = 13
melmo hat geschrieben:b)Nennen Sie einen Algorithmus (Laufstrategie), mit der dieses Optimum immer erreicht wird
Siehe oben.
melmo hat geschrieben: c)Beweisen Sie beides, also dass die Formel stimmt, und dass der Algorithmus das Optimum liefert

Ich würde sagen man kann das relativ einfach über einen Gegenbeweis angeben. n-2 ist immer mindestens 1 (kann und wird im Normalfall aber auch größer sein). Eine Durchgangszeit im ersten Teil der Formel ((n-2) * t') hat also immer größeren Einfluss als im hinteren Teil (sum(t \ t')), da hier der Faktor konstant 1 ist und nie größer wird. Wäre t' nicht das Minimum, würde das den Gesamtwert vergrößern, da ein größerer Wert im vorderen Teil steht.
Das muss man jetzt halt noch schön formal anschreiben ^^
melmo hat geschrieben:Die Anzahl der Rückreisen beträgt Anzahl der Hinreisen minus eins, da also ein Schema vorliegt, dass Hin- und Rückreisen immer abwechselnd passieren müssen, wobei wir immer mit einer Hinreise beginnen und ebenfalls mit einer Hinreise enden.

Wie oben bereits erklärt würde ich minus 2 sagen.
melmo hat geschrieben:Vielleicht liegt schon längst wissenschaftliche Erkenntnis für dieses Rätsel vor, man muss wahrscheinlich nur den korrekten Namen dieses Rätsels (oder dieser Klasse von Rätseln, denen diese Rätsel zuzuordnen ist) wissen bzw. finden.

Eventuell habe ich ja das Problem falsch interpretiert - oder du siehst das ganze etwas komplizierter als es eigentlich ist ^^ Du kannst das ganze natürlich auch über kombinatorische Optimierung lösen, du wirst aber keine bessere Lösung finden.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiter helfen :) Falls es noch Fragen gibt möchte ich dich bitten hier im Forum zu posten, dann haben andere auch was davon :)

PS: Du hast deinen Usernamen nicht zufällig von einem iOS-Spiel, oder? :D

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Hier nun meine Antwort an dani93:

Hallo Dani93,
thanks!!!! meine ersten Gedanken dazu:

mhmmhmh, also der Ansatz mit der (n-2)*t'+sum(t\t') gefällt mir ein wenig. Ich verstehe, dass ein t im linken Summanden mehr wiegt als das selbe t im rechten Summanden. Dazu müsste man aber erst sauber belegen, dass ein solches t entweder im linken oder im rechten Summanden auftaucht. Dass hier entweder oder möglich ist scheint mir noch nicht erwiesen (man könnte ja auch auf die Idee kommen, jeden Rückweg mit einem anderen Passagier durchzuführen oder ähnliche Scherze....)
dani93 hat geschrieben:Da ja jede Person mindestens ein mal durch den Tunnel muss, ist ihre Geschwindigkeit auf dem Hinweg ohnehin nicht optimierbar.
Moment mal, dieser Satz scheint mir etwas zu unbrauchbar: Es gibt immer die folgende Idee: Läßt man 4+5 gemeinsam reisen, und dazu als letztes (keiner muss eine Rückreise antreten), scheint das doch sehr sparsam zu sein (Dies zu widerlegen gilt es vielleicht...)
dani93 hat geschrieben:n-2 hast du, weil beim ersten und letzten Durchgang jeweils nur in eine Richtung gegangen wird.
n-2 stimmt zwar, korrekter formulieren müsste man aber irgendwie, denn nicht beim ersten und letzten, sondern je nachdem wie man es sieht, entweder beim ersten oder beim letzten mal wird nur in eine Richtung gegangen.

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Re: Planungsalgorithmus, mathem. Rätsel

Beitrag von Xin » Do Jul 18, 2013 9:39 pm

melmo hat geschrieben:Hallo proggen-interessierte,

...
Eins vorweg: ich glaube, dass dieses mit diesen Personen und dieser Taschenlampenbatterieladung keine Lösung hat.
Vorsicht, Professoren sind in der Regel gemein...
melmo hat geschrieben:Moment mal, dieser Satz scheint mir etwas zu unbrauchbar: Es gibt immer die folgende Idee: Läßt man 4+5 gemeinsam reisen, und dazu als letztes (keiner muss eine Rückreise antreten), scheint das doch sehr sparsam zu sein (Dies zu widerlegen gilt es vielleicht...)
Vielleicht sind 4+5 auch Blind und brauchen daher keine Taschenlampe?
Ansonsten steht nämlich auch noch 1 oder 2 da, um die Taschenlampe zu übergeben.

Man könnte auch sagen, man sieht das Licht am Ende des Tunnels. Oder man vertraut darauf, dass der Lehrer sich was dabei gedacht hat.

1+2 gehen durch zum Ziel: 2 Mins
1 geht zurück zum Start: 3 Mins
3+4 gehen zum Ziel: 8 mins
2 geht zurück zum Start: 10 Mins.
1+2 gehen zum Ziel: 12 Mins.

Der Trick ist zu erkennen, dass bei #3 die zusätzliche Zeit nicht linear steigt. Die Idee, die besonders langsamen also am effizientesten zusammen zu verfrachten sind, ist ja schon gefallen. Dass der Schnellere der beiden Langsamen aber schon deutlich langsamer als der langsamere der beiden Schnellen ist, ist die Erkenntnis. Es lohnt sich also auch eher #2 auf den Rückweg zu schicken, als den Schnelleren der beiden Langsameren mit #1 nachzuholen. Es kostet jedenfalls nicht mehr, als mit #1 #4 nachzuholen. Dafür bekommt man #3 und #4 so so günstig wie möglich transportiert.


Was genau ist eine Formel?
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Re: Planungsalgorithmus, mathem. Rätsel

Beitrag von melmo » Do Jul 18, 2013 10:11 pm

!
Scheint gut gelöst zu sein!!

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Re: Planungsalgorithmus, mathem. Rätsel

Beitrag von cloidnerux » Do Jul 18, 2013 11:13 pm

Solche Algorithmen kannst du immer auf zwei Arten lösen: Durch Brute-Force oder Überlegung.
In diesem Fall hat Xin den Weg der Überlegung genommen. Er hat sich gedacht, dass jeder weg Zeit kostet und jeder unterschiedlich schnell läuft. Du willst natürlich nicht die beiden langsamsten hintereinander. sondern miteinander laufen lassen. Damit du nicht 4 + 5 Minuten Zeit Aufwand hast, sondern nur einmal 5 Minuten.Und den Rest kompensierst du mit den schnellen Läufern.

Das hättest du auch mit dem testen aller Möglichkeiten herausbekommen oder mit dem vollständigen mathematischen Analysieren.
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Re: Planungsalgorithmus, mathem. Rätsel

Beitrag von darksider3 » Mo Jul 22, 2013 1:48 am

Hallo,
Vier Personen stehen auf der einen Seite eines Tunnels. Sie wollen zur anderen Seite. Durch den Tunnel können, weil er so eng ist, maximal 2 Personen gleichzeitig gehen. Die Personen sind unterschiedlich schnell. Der Tunnel ist dunkel und es muss bei jedem Weg durch den Tunnel eine Taschenlampe mitgeführt werden. Es gibt nur eine Taschenlampe.

Hier die Zahlen:
benötigte Zeit:
A: 1 min.
B: 2 min.
C: 4 min.
D: 5 min.

Das Problem: Die Taschenlampe hat exakt für 12 min. Batterieladung. Wer muss mit wem wie gehen, damit alle drüben ankommen?
Dort steht, dass maximal 2 Personen gleichzeit nebeneinander durch den Tunnel laufen können. Aber: Man kann doch die 5 Vorrausschicken, mit der Taschenlampe, und alle anderen laufen Händchen an Händchen hinter ihm her. Da hat die Lampe sogar noch saft für den Rückweg :mrgreen:
effizienz ist, wenn ich ein loch bohre und hinterher mein nachbar auch ein bild aufhängen kann... ^^
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Re: Planungsalgorithmus, mathem. Rätsel

Beitrag von Xin » Mo Jul 22, 2013 8:51 am

darksider3 hat geschrieben:Dort steht, dass maximal 2 Personen gleichzeit nebeneinander durch den Tunnel laufen können. Aber: Man kann doch die 5 Vorrausschicken, mit der Taschenlampe, und alle anderen laufen Händchen an Händchen hinter ihm her. Da hat die Lampe sogar noch saft für den Rückweg :mrgreen:
Darksiders Ansatz durchaus wichtig (und wichtig!), die Aufgabenstellung in Frage zu stellen. Ich sehe zum Beispiel auch keinen Grund, warum der Tunnel so eng sein sollte, dass nur zwei Personen hintereinander gehen können. Muss ich als dritte Person überhaupt etwas sehen, wenn mir jemand den Weg zeigt?
Wenn die Personen blind wären, würden sie nichtmals merken, wenn sie zu langsam sind und die Taschenlampe ausgeht.

Man kann auch einfach um den Berg herumgehen, dann reicht die Taschenlampe am anderen Ende des Tunnels noch für 12 Minuten, weil man sie gar nicht benutzt hat. Wir haben zwar genau beschrieben, wie der Tunnel beschaffen ist, aber die Aufgabenstellung ist auf die andere Seite des Tunnels zu gelangen, nicht den Tunnel zu durchqueren. Es wäre also auch einfach legitim, den Hubschrauber zu nehmen oder sich ein Taxi zu rufen.
Mit dem Taxi könnte man um den Berg fahren oder zum Supermarkt und eine zweite Taschenlampe kaufen, dann können die Personen zusammen gehen.

Oder man könnte alle paar Meter ein Loch steil nach oben bohren und wenn man dann um 12 Uhr Mittags durch den Tunnel geht, ist es dort hell.


Von meiner (alten) Website:

Manchmal hört man eine Geschichte oder einen Satz, die die persönliche Einstellung zu den Dingen ändert. Die folgende Geschichte ist so eine, die mich als Jugendlicher beeinflußt hat und mich heute noch dazu verleitet, bekannte Dinge aus immer wieder neuen – oftmals einfacheren – Perspektiven zu sehen.

Sie soll an der Washington University in St. Louis passiert sein und 1964 von einem Physik-Professor Alexander Calandra niedergeschrieben worden sein. Ich habe sie auf einigen anderen Webseiten gefunden, von daher gehe ich nicht davon aus, dass sie wirklich geschehen ist. Aber das spielt auch keine Rolle: Der Gedanke zählt — und funktioniert.
Das Barometer hat geschrieben:Vor einiger Zeit rief mich ein Kollege an und bat mich, bei der Benotung einer Prüfungsfrage als Schiedsrichter zu fungieren. Offenbar wollte er einem Studenten null Punkte für dessen Beantwortung einer Frage in Physik geben; der Student seinerseits behauptete, er verdiene eigentlich die beste Note und würde sie auch bekommen, wenn das System nicht von vornherein gegen ihn wäre. Der Professor und der Student einigten sich darauf, den Fall einem unparteiischen Schiedsrichter vorzulegen, und die Wahl fiel auf mich…

Ich ging also in das Büro meines Kollegen und las die Prüfungsfrage. Sie lautete: »Zeigen Sie, wie man die Höhe eines großen Bauwerks mit Hilfe eines Barometers bestimmen kann.«

Die Antwort des Studenten: »Nehmen Sie das Barometer, steigen Sie damit auf das Dach des Bauwerkes, binden Sie das Barometer an ein langes Seil, lassen Sie es hinunter, ziehen es dann wieder hinauf und messen Sie dann die Länge des Seils. Die Länge des Seils entspricht der Höhe des Gebäudes.«

Nun, das ist eine recht interessante Antwort, aber sollte man dafür dem Studenten eine gute Note geben? Ich wies darauf hin, dass vieles dafür sprach, denn er hatte die Frage vollständig und korrekt beantwortet. Andererseits hätte die höchste Punktzahl zu einer recht hohen Einstufung des Studenten in seinem Physikkurs geführt. Das wäre einer Art Bescheinigung, dass der Student sich in Physik einigermaßen auskannte, gleichgekommen; darauf hatte seine Antwort jedoch keinerlei Rückschlüsse zugelassen. Aufgrund dieser Überlegung machte ich den Vorschlag, der Student solle einen zweiten Versuch machen, die Frage zu beantworten. Dass mein Kollege einverstanden war, überraschte mich nicht weiter; allerdings war ich sehr überrascht, als auch der Student zustimmte.

Ich gab dem Studenten sechs Minuten, um die Frage zu beantworten, machten ihn jedoch darauf aufmerksam, dass die Antwort einige Grundkenntnisse in Physik erkennen lassen sollte. Nach fünf Minuten saß er immernoch vor einem leeren Blatt Papier. Ich fragte ihn, ob er aufgeben wolle, denn ich musste mich noch um einen anderen Kurs kümmern. Er erklärte jedoch, nein, er gebe nicht auf, er wisse viele Antworten auf die Frage und überlege gerade, welche die beste sei. Ich entschuldigte mich, dass ich ihn unterbrochen hatte, und bat ihn weiterzumachen. Binnen einer Minute hatte er seine Antwort hingekritzelt. Sie lautete:

»Gehen Sie mit dem Barometer auf das Dach des Gebäudes, und beugen Sie sich über das Geländer. Lassen Sie das Barometer fallen, und messen Sie die Zeit, bis es unten aufschlägt, mit der Stoppuhr. Berechnen Sie dann mit Hilfe der Formel s=½at² [die Fallhöhe entspricht der Hälfte der Erdbeschleunigung mal dem Quadrat der Zeit] die Höhe des Gebäudes.«

An diesem Punkt fragte ich meinem Kollegen, ob er aufgeben wolle. Er willigte ein und gab dem Studenten fast die volle Punktzahl. Als ich das Büro meines Kollegen verließ, fiel mir ein, dass der Student gesagt hatte, er wüßte mehrere Antworten auf die Frage. Ich fragte ihn also danach. »Oh, ja«, meinte er. »Es gibt viele Möglichkeiten, mit Hilfes eines Barometers die Höhe eines großen Gebäudes zu berechnen. Bespielsweise können Sie an einem sonnigen Tag das Barometer mit rausnehmen, messen, wie hoch das Barometer, wie lang sein Schatten und wie lang der Schatten ist, den das Gebäude wirft. Mittels einer einfachen Verhältnisgleichung können Sie dann die Höhe des Bauwerks bestimmen.«

»Fein«, sagte ich. »Und die anderen?«

»Naja«, erwiederte der Student, »es gibt eine sehr einfache Messung, die wird Ihnen gefallen. Sie nehmen das Barometer und steigen damit die Treppe hinauf. Beim Hinaufsteigen verwenden Sie das Barometer als eine Art Meterstab und erhalten so die Höhe des Gebäudes in Barometereinheiten. Eine sehr direkte Methode.
Wenn Sie allerdings eine raffiniertere Methode vorziehen, dann befestigen Sie das Barometer an einer Schnur, schwingen es wie ein Pendel hin und her und bestimmen den Wert von g [Erdbeschleunigung] unten auf der Straße und oben auf dem Dach des Gebäudes. Aus der Differenz zwischen den beiden Werten für g läßt sich, zumindest im Prinzip, die Höhe des Gebäudes berechnen.

Allerdings gibt es«, fügte er anschließend hinzu, »noch viele andere Antworten, wenn Sie mich nicht auf physikalische Lösungen festlegen. Beispielsweise könnten Sie mit dem Barometer ins Erdgeschoß gehen und beim Hausverwalter klopfen. Wenn er Ihnen aufmacht sagen Sie:
›Werter Herr Verwalter, ich habe hier ein sehr schönes Barometer. Wenn Sie mir sagen, wie hoch dieses Gebäude ist, gehört es Ihnen.‹…«
Auf die Idee, diesen Text mal wieder hervorzukramen, brachte mich ein Leserbrief in der PM von Mai 2005, den Torsten Pohling schrieb. Zum Thema Zukunftstechnik: "In Zukunft werden sich Autos mit Verkehrsampeln per Funk austauschen, so dass nachts ein ungestörter Verkehrsfluß ohne rote Ampeln möglich wird". Die Lösung des Lesers kam ohne das heute übliche Denken aus, alle Probleme mit teurer Technik zu lösen: Ampeln abschalten und die ja bereits vorhandenen Verkehrszeichen beachten.
Dass ein intelligenter Mensch auf eine solch simple Lösung kommen kann, verwundert mich nicht — ich finde es seltsam, dass Menschen, die sich Probleme schaffen, um sie mit aufwendiger Technik wieder zu lösen, sich Ingenieur nennen dürfen…
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Re: Planungsalgorithmus, mathem. Rätsel

Beitrag von darksider3 » Di Jul 23, 2013 1:49 pm


Re: Planungsalgorithmus, mathem. Rätsel

Beitragvon Xin » Mo Jul 22, 2013 7:51 am

darksider3 hat geschrieben:Dort steht, dass maximal 2 Personen gleichzeit nebeneinander durch den Tunnel laufen können. Aber: Man kann doch die 5 Vorrausschicken, mit der Taschenlampe, und alle anderen laufen Händchen an Händchen hinter ihm her. Da hat die Lampe sogar noch saft für den Rückweg :mrgreen:


Darksiders Ansatz durchaus wichtig (und wichtig!), die Aufgabenstellung in Frage zu stellen. Ich sehe zum Beispiel auch keinen Grund, warum der Tunnel so eng sein sollte, dass nur zwei Personen hintereinander gehen können. Muss ich als dritte Person überhaupt etwas sehen, wenn mir jemand den Weg zeigt?
Wenn die Personen blind wären, würden sie nichtmals merken, wenn sie zu langsam sind und die Taschenlampe ausgeht.
Es kann einfach nichts so eng sein, dass einer Vorwärts durchgehen kann, ihm aber keiner Folgen kann. Dann müsste da ein Auslöser sein, der bei zweiter Berührung irgendeine Folter/Tür runterfahren lässt.
Dass ein intelligenter Mensch auf eine solch simple Lösung kommen kann, verwundert mich nicht — ich finde es seltsam, dass Menschen, die sich Probleme schaffen, um sie mit aufwendiger Technik wieder zu lösen, sich Ingenieur nennen dürfen…
Das dürfen die, da es auch dafür Leute geben muss. Ansonsten gäbe es auch keinen Uhl in der Politik, der nur Kacke baut. Der nachfolger darf es Ausbügeln: So ist das auch mit Hardware/Systemen/Ingenieur-Zeugs halt.
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Re: Planungsalgorithmus, mathem. Rätsel

Beitrag von cloidnerux » Di Jul 23, 2013 3:20 pm

Dass ein intelligenter Mensch auf eine solch simple Lösung kommen kann, verwundert mich nicht — ich finde es seltsam, dass Menschen, die sich Probleme schaffen, um sie mit aufwendiger Technik wieder zu lösen, sich Ingenieur nennen dürfen…
Das dürfen die, da es auch dafür Leute geben muss. Ansonsten gäbe es auch keinen Uhl in der Politik, der nur Kacke baut. Der nachfolger darf es Ausbügeln: So ist das auch mit Hardware/Systemen/Ingenieur-Zeugs halt.
Man muss aber auch sagen, dass die Welt nicht trivial ist.
Es stimmt, manchmal werden zu komplizierte Systeme erfunden und implementiert, wo ein einfaches auch gereicht hätte, es ist aber nicht so, dass jeder Ingenieur das Ziel hat, immer das komplizierteste bauen zu wollen.
Aber viel mehr die Frage, was denn sinnvoll sei. Im Verkehr ist der Faktor Mensch eines der größten Probleme. Menschen sind müde, Menschen handeln verlässig, Menschen übersehen Verkehrsschilder, Menschen fahren zu schnell oder zu unvorsichtig.
Das ist der Grund warum man politisch Regeln einführen musste, wie sich jeder einzelne im Straßenverkehr zu verhalten hat und warum es dafür auch noch Kontrollen gibt. Es gibt genug fälle, wo die Regeln missachtet wurden und jemand dadurch geschädigt wurde.
Daher die Idee: lasst uns unsere Autos intelligenter machen, damit sie die Dummheit der Menschen kompensieren.
Das ist nun einmal nicht so einfach.

Politik ist auch nicht gerade so einfach und nicht so offensichtlich, wie mancher meint. Gerade deswegen ist es auch möglich, dass da so viel Mist gebaut wird: Man muss die Konsequenzen seines Handelns nicht tragen! Man ist weg aus der Politik und damit auch aus dem Sinn und der Trümmerhaufen bleibt zurück.
Aber es ist auch ein Problem des Systems, dass du um Politiker zu werden weniger Ahnung als Freunde brauchst, mehr Wille als Kompetenz um zu irgendeinem sinnvollen Posten zu gelangen.
Man sieht genug intelligenter Menschen, die zu jedem Problem eine Lösung finden würden, die aber nicht in die Politik können, weil sie dort im sozialen Konstrukt "Partei" und "Politiker" untergehen.
Ein Punkt, der zu ändern ist!
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Re: Planungsalgorithmus, mathem. Rätsel

Beitrag von darksider3 » Di Jul 23, 2013 3:37 pm

Man muss aber auch sagen, dass die Welt nicht trivial ist.
Es stimmt, manchmal werden zu komplizierte Systeme erfunden und implementiert, wo ein einfaches auch gereicht hätte, es ist aber nicht so, dass jeder Ingenieur das Ziel hat, immer das komplizierteste bauen zu wollen.
Aber viel mehr die Frage, was denn sinnvoll sei
Und trotzdem werden nur Fehler mit Technischen Systemen ausgebügelt. Wenn (diejenigen, die es nicht haben)die Menschen das richtige Bewusstsein hätten, würde das nicht passieren.
Politik ist auch nicht gerade so einfach und nicht so offensichtlich, wie mancher meint. Gerade deswegen ist es auch möglich, dass da so viel Mist gebaut wird: Man muss die Konsequenzen seines Handelns nicht tragen! Man ist weg aus der Politik und damit auch aus dem Sinn und der Trümmerhaufen bleibt zurück.
Aber es ist auch ein Problem des Systems, dass du um Politiker zu werden weniger Ahnung als Freunde brauchst, mehr Wille als Kompetenz um zu irgendeinem sinnvollen Posten zu gelangen.
Traurig aber wahr..
Man sieht genug intelligenter Menschen, die zu jedem Problem eine Lösung finden würden, die aber nicht in die Politik können, weil sie dort im sozialen Konstrukt "Partei" und "Politiker" untergehen.
Ein Punkt, der zu ändern ist!
Evtl. sollte man noch erwähnen, dass diejenigen, welche die "richtige" Ansicht haben, welche Rechtschaffent sind und etwas gutes Bewegen wollen und könnten(!), meist, wenn es droht für die "Herrschenden" brenzlich zu werden, Geschichten zugedichtet werden.
Ein Beispiel ist die Piratenpartei(Ja ich weiß, angeblich "Kinderschänder", ist wie bei jeder Partei: Jeder hat seine Ansicht ;) ):
Hier wurde vor ein paar Jahren, als die Drohten groß zu werden, unterstellt, dass doch alle Piraten Kinderschänder währen, Neo- Rechtsliberal sind und nur auf Technik ausgerichtet sind. Wenn man sich aber mal mit deren Wahlprogrammen auseinandersetzt merkt man, dass hier einfach Gerüchte verbreitet werden.
Schade sowas!
--(Beispiel, keine Werbung :P )
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