Günstiger Rechenknecht

Beratung, Tipps, Konfiguration
Antworten
Benutzeravatar
Xin
nur zu Besuch hier
Beiträge: 8457
Registriert: Fr Jul 04, 2008 11:10 pm
Wohnort: /home/xin
Kontaktdaten:

Günstiger Rechenknecht

Beitrag von Xin » Mi Okt 04, 2017 9:03 pm

Ich war die Tage ein wenig shoppen, weil ich das Jahr wohl noch recht viel Zeit am Rechner verbringen werde. Das 4K Projekt vom letzten Jahr war ja nicht erfolgreich und so probierte ich im September mal einen Philips BDM4037U. Den habe ich auch noch. Auch nicht perfekt, aber besser.

Um den Monitor jedoch gut mit Leistung zu versorgen ist die GeForce 730 etwas knapp dimensioniert, jedenfalls blieb der DVI-Ausgang (aufgrund eines Fehlers von mir...) schwarz. Da die GT730 aber 4K sowieso nur in 30Hz abbildet, sollte also etwas flotteres her. Leider kann mein Server-Mainboard nur PCIx8 Steckkarten aufnehmen, heißt: Neues Mainboard mit PCIe x16-Steckplätzen. Und so ging ich zu Ebay und kaufte mein Server-Mainboard in der neueren Workstation-Variante mit dem Ziel das Mainboard auszutauschen.

Daher hier mal ein Bericht über aktuelle Preise für günstige Rechenknechte

Ein Intel S5520SC Mainboard mit zwei älteren Xeon-CPUs: 127 Euro (mit Porto) habe ich bei EBay gekauft. Das Gerät ist in der Form schonmal 25% schneller als mein Entwicklungs-Rechner auf der Arbeit. Als Grafikkarte habe ich mich für eine passiv gekühlte GT1030 entschieden mit HDMI und DisplayPort-Ausgang, die deutlich flotter unterwegs ist als die 730er, aber nicht mehr Strom frisst (7-35W). Das Teil kostete 74 Euro.
Für neuere Spiele ist sie eher ungeeignet, aber ältere Sachen, laufen auch flüssig auf 4K. Giana Sisters läuft nun flüssig mit Effekten, das ging auf der 730 kaum brauchbar ohne Effekte.
Der Plan war ursprünglich meine beiden X5675 auf den neuen Rechner umzubauen, den RAM zu übernehmen und die kleineren Xeons mit dem Serverboard wieder zu verkaufen.
Ich wollte aber auch mal einen ProxMox-Server für VMs erstellen. Also habe ich mir überlegt, meinen Server wie er ist zu behalten und bestellte zwei neue Lüfter (zusammen 33 Euro) für die beiden Xeons.
Bei EBay fand ich noch Server-RAM 32GB RAM für 50 Euro (keine Versandkosten). Das reicht dicke für den Hausgebrauch. Zumal auf dem Workstationboard dann erst 8 von 12 Plätzen belegt sind, bei Bedarf kann man also nochmal nachlegen.
Wichtig: Server und Workstation-Boards nehmen keinen Standard DDR-RAM. In der Regel ist das Registered RAM mit ECC, muss man vorab im jeweiligen Handbuch nachgucken. Wenn die Server verschrottet werden, ist das RAM aber billig zu haben, schließlich kann kein Privatmensch das noch gebrauchen.

Wahl der CPU

Auf meinem Serverboard sind zwei X5675 CPUs drauf, mehr geht da nicht. Das Workstationboard nimmt auch die stärkeren X5690 CPUs auf, die kosten als Paar aber 220 Euro aus China. Da braucht man auch schon etwas Vertrauen, kann aber ja auch klappen. Hier würde ich aber auf Paypal achten. Aus Europa geht es mit 299 Euro los. Die X5675, die bei mir drin sind sind etwa 10% langsamer, sind aber als Paar in Europa schon für 90 Euro zu haben. 130 bzw. 210 Euro extra lohnt sich für die 10% nicht.
Mit X5650ern kommt man auf 11.517 Punkte (Vergleich siehe unten - als Paar ca. 45 Euro). Auf dem Board sind W5580 CPUs drauf, also recht gute Quad-Cores-CPUs aus der vorhergehenden Generation. Die sind einzeln bedeutend langsamer als die 5675, aber skalieren als Paar aber besser, weil sich die Leistung mit der zweiten CPU rund 70% zunimmt, während die X5675 durch die Verdopplung der CPUs nur noch ca. 50% schneller werden. Ich gehe davon aus, dass beim CPU-Bus sich 24 Threads eher mal im Weg stehen als nur 16 Threads - hier hat der Quadcore relativ also die Nase vor dem Sixcore, absolut macht der Sixcore aber trotzdem das Rennen.
Ob ich das CPU-Upgrade noch mache, ist für mich eher fraglich, denn 90 Euro für 20% passt nicht und die W5580 selbst sind vermutlich eher unverkäuflich, auch wenn sie bei EBay für 20 Euro je Stück angeboten werden. Vielleicht hole ich es irgendwann nach, wenn mir ein paar X5690er günstig in die Finger fallen. Da wären somit dann also noch mal 40% Reserve mit dem Board drin.
Die High-End-CPUs sind immer bedeutend teurer, also so zwei Stufen darunter, das wären derzeit etwa die X5675 für diese Baureihe.

Preise

Werfen wir das mal zusammen:
  • Mainboard 127 Euro
  • RAM 50 Euro
  • [optional CPU-Upgrade 90 Euro]
  • Lüfter 33 Euro
Die Teile zum Rechnen liegen in meinem Fall also bei 210 Euro, bzw. 284 Euro mit Grafikkarte. Das CPU-Upgrade wären 374 Euro, was erforderlich würde, wenn ein Board ohne CPUs gekauft wird. Bzw. 300 Euro, wenn man eine Grafikkarte aus einem Schrott-PC nehmen kann.

SSI-Gehäuse

Eingebaut wurde das Ganze in ein Servergehäuse vom Schrott. Das Ganze ist quasi ein Minitower, der nur etwas tiefer ist als ein normaler ATX-Tower. Das Board hat Voll-SSI-Norm, ein ATX-Tower reicht also nicht mehr. Wer aber bereits einen großes ATX-Gehäuse (EATX-Norm) besitzt, hat durchaus gute Chancen, dass das auch SSI-EEB-Boards aufnehmen kann, da diese die gleiche Größe wie E-ATX Boards haben.
Bei EBay gibt es SSI-fähige Gehäuse inkl. 500W Netzteil für 99 Euro.

Wahl des Netzteils

Das Serverboard braucht mit der GeForce 730 etwa 140 Watt im Idle. Die X5675 CPUs sind Six-Cores, also insgesamt 24 Threads. Kompiliere ich mit 24 Threads, komme ich auf etwa 350W. Ein 500W-600W Netzteil sollte also noch eingebaut werden.
Das geht bei 35 Euro los, darf aber gerne mehr sein. Auch hier lohnt es sich teilweise schon in Alt-PCs auf die Suche zu gehen, da selbstgebaute Privat-PCs gerne mal überdimensionierte Netzteile haben, die dann auch irgendwann entsorgt werden.
Aus Büro-PCs kommen eher 250-400W-Netzteile. Das ist zu knapp dimensioniert.
Für die Akustik reicht es oftmals den Lüfter zu wechseln. Leise Lüfter sind für ca 4-5 Euro zu haben.
Das ursprüngliche Servergehäuse habe ich von 80db (Ge!-Hör!-Schutz!-Pflicht!) auf etwa 40db (leises Surren) reduziert. Der 120mm Gehäuse-Lüfter wird die Tage noch ersetzt, dann sollte das Surren auch weg sein.
Hauptproblem sind die Serverkühler (klein, aber laut), die ich durch günstige Standard-CPU-Kühler (groß und leise) getauscht habe.
In einem Midi-Tower ist ja mehr Platz als in einem 2HE-Servergehäuse.

Das Mainboard hat ein bis zwei zusätzliche Stromversorgungen für die CPUs. Diese "EPS" Stecker sind an ATX-Netzteilen nicht dran, sie sehen ähnlich wie den 8Pin PCIe-Steckern aus, aber Achtung! EPS Stecker sind keine PCIe-Stecker und PCIe Stecker lassen sich mit relativ wenig Gewalt in die EPS-Buchsen stecken, weil sie auch nur an einer Ecke leicht verkannten. Also die Stecker mit Liebe ausprobieren und wenn die nicht freiwillig wollen, dann passen die auch nicht.
Bei Amazon gibt's 5 Adapter von Pentium4-Buchsen (4Pin) auf EPS-Stecker (8Pin) für 6,50 Euro. Der 4 Pin-Stecker ist in der Regel an ATX-Netzteilen, gelegentlich auch mehrfach, eventuell braucht man noch einen Adapter von HDD auf 4Pin und dann weiter auf EPS.

Ich habe mal testweise mal ein 350W Netzteil angeschlossen... der Computer lief wunderbar, bis er arbeiten musste: Als ich die Compiler gestartet habe machte das Netzteil etwa 10 Sekunden das mit, dann war der Rechner auch schon aus. ;)
Er fuhr danach wieder hoch, aber mit einem wertigen 600W Netzteil läuft der Rechner doch zuverlässiger. ^^

Rechenleistung und Kleinserver

Bei CPU-Benchmark bringt so ein X5675-System 12.739 Punkte (X5690: 14.146 Punkte). Der aktuelle 6-Core MacPro kommt auf 12.673 Punkte und kostet 3399 Euro (MacPro 8Core: 17.102 Punkte, 4599 Euro). Die W5580 liegen bei 10.110 Punkten.
Bei der Grafikleistung kann so ein System natürlich nicht mithalten. Ich will aber kompilieren bzw. ich will unterschiedliche VMs miteinander und gegeneinander laufen lassen. Für den VM-Server reicht also die Onboard-Grafik, da die VM eh über's Netz bedient werden.

Vergleich zu aktueller Konsumer-Hardware

Diese Systeme sind ca. 7 Jahre alt, damals unbezahlbar, heute werden die Systeme in den Firmen entsorgt und durch Neue ersetzt. Die High-End-CPUs von damals können mit den heutigen Consumer-CPUs aber durchaus mithalten, sind aber bei der Single-Core-Performance unterlegen.

Beispiel: Die i7-7700 Quad-Core CPU bringt 10.815 Punkte, kostet als CPU aber 275 Euro. Die habe ich mal genommen, weil Saturn das für 1200 Euro mit 16GB RAM und einer Geforce 1050 als Gaming PC verkauft - und ich daneben stand, als es gekauft wurde.

Ein X5675 Six-Core bringt 8529 Punkte und kostet einzeln 60 Euro. Für Aufgaben, die gut zu parallelisieren sind, wie beispielsweise kompilieren, bekomme ich also fast die gleiche Performance auf sechs statt auf vier Kernen für ein Viertel des Geldes.

Alternativen

Wer modernere CPUs sucht, kann sich mit den E5-26xx CPUs beschäftigen der ersten und zweiten Generation beschäftigen (LGA2011). Achtung: Die CPUs der späteren Generationen sitzen auf einem LGA2011v3 Sockel, dieser ist nicht kompatibel mit dem LGA2011 der ersten beiden Generationen. Die CPUs sind durchaus günstig, aber die Mainboards kaum günstig zu bekommen. Bei den v3-CPUs hingegen sind die CPUs noch sehr teuer.

Maximum Performance
Bringt derzeit bei den Dual-CPU-Rechnern zwei Xeon E5-2699v4 mit 34.330 Punkten. Stückpreis pro CPU liegt bei 4200 Euro, die Kiste wird also fünfstellig in der Anschaffung.

Windows auf Dual-CPUs

Noch ein Hinweis bei Dual-CPU-Rechnern: Wer Windows auf so einem Rechner laufen lassen will, muss die Pro-Variante nehmen oder er kann nur eine CPU ansprechen. Unter Linux ist das alles egal.
Merke: Wer Ordnung hellt ist nicht zwangsläufig eine Leuchte.

Ich beantworte keine generellen Programmierfragen per PN oder Mail. Dafür ist das Forum da.

Antworten